Bürgermeisterin Manuela Oswald: „Aktuell kann unser Netzbetreiber bis zu mindestens 400 Mbit Bandbreite liefern"

Bürgermeisterin Manuela Oswald: „Aktuell kann unser Netzbetreiber bis zu mindestens 400 Mbit Bandbreite liefern"

Bürgermeisterin Manuela Oswald: „Aktuell kann unser Netzbetreiber bis zu mindestens 400 Mbit Bandbreite liefern"

Oswald sagt: ,,Im interkommunalen Gewerbegebiet haben wir bereits eine Gewerbefläche von insgesamt 18 Hektar. Darauf haben sich 24 Betriebe angesiedelt, die rund 750 Ausbildungs- und Arbeitsplätze geschaffen haben." FOTO: PAU

11.11.2022

Manuela Oswald, die neue Bürgermeisterin von Amtzell, spricht im Interview über den Netzausbau, Gewerbeflächen, die Wohnsituation, die Energiekrise und vieles mehr.

Frau Oswald, Sie sind seit erstem Oktober Bürgermeisterin der Gemeinde Amtzell. Wie haben Sie die erste Zeit verbracht?
Ich bin offiziell seit 1. Oktober Bürgermeisterin, habe aber meinen Start im Rathaus vorgezogen. Mein Vorgänger war zum Oberbürgermeister in Weingarten gewählt worden, deshalb war das Amt in Amtzell vakant. Weil zudem unser langjähriger Kämmerer Jürgen Gauß überraschend verstarb und die Stelle der Hauptamtsleitung wegen Elternzeit nicht besetzt ist, war und ist der Start alles andere als leicht. Dankenswerterweise erfahre ich Hilfe und Unterstützung von vielen Seiten und durch das Rathausteam.

Die Gemeinde Amtzell ist eine wachsende Gemeinde. Doch wenn es um Wohnraum und auch bezahlbaren Wohnraum geht, ist die Not in vielen Städten und Gemeinden derzeit groß - wie geht es da Amtzell?
Natürlich ist in Amtzell, einer attraktiven Freizeit- und Tourismusregion zwischen Bodensee und Allgäu – wie woanders auch – bezahlbarer Wohnraum ein knappes Gut. Schließlicht lässt sich auch aus der Erfahrung des Corona-Lockdowns ableiten, dass bei weiteren Menschen in den Ballungszentren der Wunsch nach mehr Freiraum und Nähe zur Natur reifte. Die Frage nach bezahlbarem Wohnraum und deren Schaffung verstehe ich als eine Daueraufgabe. Trotzdem ist in Amtzell beispielsweise mit dem Kränzle-Quartier schon einiges auf den Weg gebracht. Wohnraum schafft auch das Baugebiet Kapellenberg. Für die weitere bauliche Entwicklung gibt es bereits nach kurzer Zeit erfreuliche Gespräche. Da bin ich fest am Ball.

Was raten Sie jemandem, der in Amtzell gerne bauen würde?
Die Entwicklung im Blick behalten und die Situation realistisch bewerten. Man hört es derzeit immer wieder, dass es sich viele Menschen aufgrund der hohen Preise nicht mehr leisten können, zu bauen. Wir in Amtzell wollen alles dafür tun, dass Wohnen bezahlbar bleibt diese Vorgabe hat für mich oberste Priorität. Denn dieses Kriterium wird künftig entscheidend sein, ob jemand überhaupt noch bauen oder eine Immobilie erwerben kann.

Schnelles Internet ist ein Thema, welches das Gewerbe genauso beschäftigt wie Privatpersonen. Welche Situation finden Unternehmer wie auch Bauherren in Amtzell vor? 
Bereits seit Mitte der 1990-er Jahre hat die Gemeinde in Leerrohrtechnik den innerörtlichen Bereich und vor allem alle Neubaugebiete mit Koax-Verkabelung ausgerüstet. Aktuell kann unser Netzbetreiber bis zu mindestens 400 Mbit Bandbreite liefern. Während die Gewerbegebiete Schattenbuch, Geiselharz, Schauwies, Korb, Kogenwiese-Hummelau und das Mischgebiet Weiler-Geiselharz fast vollständig über Glasfasertechnik erschlossen sind, sieht die mittelfristige Finanzplanung der Gemeinde in Kooperation mit dem Zweckverband Breitband im Landkreis Ravensburg den Restausbau der Breitbandversorgung im Außenbereich mit Glasfaser bis Ende 2024 vor. Wir haben in der Gemeinde einen ,,Fahrplan" ausgearbeitet, mit dessen Hilfe wir schrittweise Maßnahmen umsetzen. Alles in allem geht es somit in Amtzell dank frühzeitigem Antrag für Fördermittel nahtlos weiter.

Die Gemeinde Amtzell ist ja an zwei interkommunale Gewerbegebiete angeschlossen - als wie wichtig erweist sich das und welche Vorteile bringt das der Gemeinde als Standort?
Als sehr wichtig, die Entscheidung für das bestehende interkommunale Gewerbegebiet mit der Stadt Wangen, dem ZIG war damals wegweisend und verschafft Amtzell auch Handlungsspielraum. Wir wollen es der großen Zahl von heimischen Betrieben mit ihren Ausbildungs- und Arbeitsplätzen ermöglichen, am Standort zu wachsen. Da sind wir im ZIG und in der Gemeinde mit intensiven Gesprächen dran. Im diesem interkommunalen Gewerbegebiet haben wir bereits eine Gewerbefläche von insgesamt 18 Hektar. Darauf haben sich 24 Betriebe angesiedelt, die rund 750 Ausbildungs- und Arbeitsplätze geschaffen haben, und ein großes Spektrum von unterschiedlichen Berufen und Branchen abdeckt. Vom Drei-Mann-Betrieb bis zum Unternehmen mit 350 Beschäftigten ist hier alles anzutreffen. Das ist ein Erfolgsmodell in der Region und durch die Kooperation mit Wangen sparen wir Fläche ein.

Wie würden Sie die Infrastruktur der Gemeinde Amtzell einschätzen - auch in Bezug auf die Kinderbetreuung oder die Verkehrsanbindung - und was muss sich hier verbessern und warum?
Amtzell als Landgemeinde hat eine ausgezeichnete gesellschaftliche, kulturelle, soziale und wirtschaftliche Infrastruktur. Mit der Autobahn und der Umgehungsstraße B 32 hat Amtzell sehr gute Voraussetzungen. Da wurde in den vergangenen Jahrzehnten viel geleistet. Zurücklehnen wollen wir uns trotzdem nicht. Ein Augenmerk gilt daher dem Ausbau der Kammersteige in Richtung Kofeld, zusammen mit der Nachbargemeinde Bodnegg und dem Ausbau des ÖPNV.

Neben der Verkehrsanbindung sprechen Sie die Kinderbetreuung an: Aktuell machen wir uns auf den Weg unser Kinderbetreuungsangebot weiter auf aktuelle und künftige Bedürfnisse unserer Familien auszurichten. Dabei werden wir bei den kommunalen Einrichtungen auf bauliche Herausforderungen wie auch die allgegenwärtig beschränkte Verfügbarkeit von pädagogischem Fachpersonal treffen. Auch hier gilt es neue Ansätze aufzugreifen. Im sozialen Bereich sind wir mitten im Entwicklungsprozess für eine Quartiersarbeit für alle Generationen. Die Begleitung der Familien ist dabei ein Markenzeichen unserer Kommunalpolitik. Darüber hinaus lässt auch der demographische Wandel Bedarfe an barrierearmen Wohnungen und barrierefreien Zugängen und Möglichkeiten zur Teilhabe steigen.

Für alle, die nicht in Amtzell leben, aber dort arbeiten, also Pendler: Wie ließe sich hier die Lage so verbessern, dass sie mit den Öffentlichen besser hin und her kommen?
Natürlich lässt sich Mobilität und die Angebote des ÖPNV immer verbessern und da bleiben wir im Gespräch. Trotzdem: Wir haben im Halbstunden-Takt Bus-Verbindungen Richtung Wangen und Ravensburg. Davon träumt manche Gemeinde auf dem Land. Dieser Takt steht natürlich nicht nur Pendlern, sondern auch den Menschen vor Ort zur Verfügung. Außerdem haben wir seit einigen Jahren unser Amtzeller Bürger-Mobil speziell für ältere Menschen. Dieses Angebot wird dankbar angenommen.

In Bezug auf die Energiekrise: Wie wappnet sich Amtzell?
Derzeit arbeiten wir umfassend und sorgfältig mit einem Stufenplan, um auf mögliche Engpässe in der Gas- und Energieversorgung vorbereitet zu sein. Ziel ist es, den Gas- und Stromverbrauch zu verringern. Mit der Drosselung der Gasliefermenge der russischen Regierung im Sommer standen zunächst Maßnahmen zur Sensibilisierung insbesondere für die Nutzung öffentlicher Einrichtungen und der hierfür zuständigen Mitarbeitenden im Vordergrund. Im Bereich Biogas und Photovoltaik sind wir schon seit Jahren sehr aktiv. So sind beispielsweise das Ländliche Schulzentrum Amtzell, die Sport- und Mehrzweckhalle und das Rathaus an das örtliche Nahwärmenetz angebunden. Natürlich sind Maßnahmen zur Energieeffizienz stets ausbaufähig. Melanie Boujenoui