Gemeinde Kißlegg: Rund 40 Millionen Euro für die Zukunft, so Dieter Krattenmacher

Gemeinde Kißlegg: Rund 40 Millionen Euro für die Zukunft, so Dieter Krattenmacher

Gemeinde Kißlegg: Rund 40 Millionen Euro für die Zukunft, so Dieter Krattenmacher

Ein Blick von oben auf die schöne Gemeinde Kißlegg. FOTO: SUSI DONNER

25.10.2022

KISSLEGG - Ein ereignisreiches Jahr neigt sich dem Ende zu - wieder ein außergewöhnliches, in dem trotz allen äußeren Umständen das Gemeindeleben positiv und gut weitergegangen ist. Bürgermeister Dieter Krattenmacher erzählt von positiven Entwicklungen und gelungenem Gemeindeleben, in dem lebens- und liebenswerten Flecken.

Dieter Krattenmacher FOTO: MANUEL KIMMERLE
Dieter Krattenmacher FOTO: MANUEL KIMMERLE

Was waren die größten Herausforderungen für die Gemeinde Kißlegg 2022?
Dieter Krattenmacher:
Wie überall haben die derzeitigen Krisen auch unser Denken und Handeln geprägt. Auch bei uns ist Wohn- und Gewerberaum knapp, die andauernde Belastung vieler Menschen durch Arbeit, auferlegte Vorgaben und Aufgaben häufig grenzwertig und die Kommunikation durch die Coronaerfahrungen noch immer etwas gehemmt. Das alles wird überlagert von Zukunftssorgen, nicht zuletzt durch die heftig gestiegenen Energiepreise.

Bei allen Herausforderungen wollen wir aber auch unsere Zukunft aktiv gestalten und der Krise die Zähne zeigen! Sehr mutig hat der Gemeinderat deshalb den Breitbandausbau für das ländliche Gemeindegebiet beschlossen.

Das ist mit rund 40 Millionen Euro die größte kommunale Investitionsmaßnahme in der Gemeindegeschichte und eine sehr wichtige Zukunftsinfrastruktur.

Eine schöne Herausforderung war und ist es für den reichen Kindersegen in der Gemeinde genügend Betreuungsplätze zur Verfügung stellen zu können und gleich mehrere Kindergärten in Betrieb zu nehmen. Mit dem Bauernhofkindergarten haben wir dabei einmal mehr eine Vorreiterrolle übernommen.

Auch der augenblickliche Bauboom und die bessere Nutzung eigener Potentiale in der Energie- und Wärmeversorgung stellen sich als Herausforderung dar. Nicht zuletzt ist dies alles eingebettet in die Fragen, wie sich unsere Umwelt weiter verändern wird. Der Klimawandel ist nicht irgendwo, sondern lässt sich statistisch u.a. auch an den Einsatzzahlen und -gründen unserer Feuerwehr ablesen. Unser ehrenamtliches Klimaschutzteam berät uns dabei sehr engagiert, kompetent und konstruktiv.

Wir sind in einem andauernden und nochmals beschleunigten und umfassenden Lernprozess.

Welche neuen Entwicklungen gab es 2022?
Dieter Krattenmacher:
Die Energiekrise hat bei vielen Menschen zu einem Umdenken geführt. Was noch vor einem Jahr unmöglich erschien, erfährt heute mehr Interesse und Bereitschaft. Beispiel: Freilandphotovoltaikanlagen und die Nutzung von Biogas im Gewerbe und öffentlichen Bereich. Man könnte auch sagen: Über regenerativ erzeugte Hitze macht keiner mehr Witze".

Eine andere spannende Entwicklung zeigt sich in einem sich langsam verändernden Mobilitätsverhalten. Heute schwingen sich Leute aufs Fahrrad, die vor zehn Jahren gar nicht genug PS unter der Motorhaube haben konnten. Die Elektrifizierung der Bahn kam da zur richtigen Zeit und auch die Ringzugidee mit dem Oberleitungs-Lückenschluss von Kißlegg nach Aulendorf hat Fahrt aufgenommen. Beim Bahnhof und der Bahnhofstraße stehen ab dem kommen den Jahr bis 2028 größere Ausbau- und Modernisierungsmaßnahmen an.

Und trotzdem gibt es ja noch das Dauerthema ,,Straßenverkehr" im Ort. Sehr dankbar bin ich über den Kreistagsbeschluss, wonach der Landkreis uns bei der Planung und dem Bau der Südspange hilft und die Ostumfahrung bauen wird. Es hat nun fast zehn Jahre gedauert, die ,,Stuttgarter Irritationen" durch die Beschlüsse von Landkreis und Gemeinderat für diese kommunale Gemeinschaftsaktion zu beenden.

Parallel dazu wird die Radwegeplanung intensiviert und in den kommenden Jahren Schritt für Schritt verwirklicht. Die Idee ist ein zentraler Radweg abseits der Hauptverkehrsstraßen vom Bahnhof über den Schlosspark, das Lindenbergele und durch den Löhleweg ins Gewerbegebiet Zaisenhofen hinein.

Über eine neue Achbrücke soll dabei die Becherhalde angebunden werden.

Welche wichtigen Projekte wurden fertiggestellt, begonnen oder angedacht?
Dieter Krattenmacher:
Ein städtebaulich besonders wichtiges Projekt ist der Bau der Bahnunterführung mit der Neugestaltung des Gebiets zwischen Bahnlinie und Obersee, also dem nördlichen Kißlegger Ortseingang. Nach langer Vorarbeit konnte hier das zentrale Grundstück mit der OMIRA-Käserei ehemaligen für uns gesichert werden. Hier sollen nicht nur die künftigen Verkehrswege entstehen, sondern auch ein attraktiverer Mix aus preiswerten Wohnungen, Freizeit, Erholung und eventuell auch Handel und Dienstleistungen.

In der Ortsmitte nimmt die Sanierung und Erneuerung der ehemaligen Gasthöfe Adler und Löwen Fahrt auf. Auch in diesen historischen Zusammenhang gehört die vielversprechende Wiederbelebung von Bärenweiler. Nächstes Jahr wird wohl in allen drei Fällen Baubeginn sein.

Dies alles gehört in den Kontext der wahrscheinlich größten Veränderung in unserer Gesellschaft: Den demographischen Wandel. Vor allem unser Kernort wird derzeit in diese Richtung entwickelt. Der ,,Löwen" wird hierfür künftig Anlauf- und Treffpunkt, gegenüber im Adler-Areal entsteht eine Tagespflege, Sozialstation und barrierearme Wohnungen, der Ulrichspark ist hervorragend aufgestellt und befindet sich in einem erfolgreichen Modernisierungsprozess, auf der nahen Becherhalde wurde die Grundversorgung gesichert, das Pflege und passende Wohnangebot ausgebaut und aktuell laufen Aktivitäten zur Sicherung der medizinischen Versorgung. Insbesondere auch in Waltershofen sind erfreulich viele und wirksame Entwicklungen in diese Richtung zu verzeichnen. Immenried verfügt glücklicherweise ebenfalls über ein funktionierendes Netzwerk in der Bevölkerung.

Worauf sind Sie besonders stolz?
Dieter Krattenmacher:
Auf unseren ehrenamtlich initiierten und getragenen Bike-Park am Lorettohang bin ich stolz. Die nächste Generation steht hier tagtäglich in den Startlöchern und zeigt was in ihr steckt. Das ist so ein richtig guter Ort gegen schlechte Laune! Große Freude bereitet mir das nationale NABU-Umweltprojekt ,,Naturvielfalt Westallgäu", das bei uns in Kißlegg beheimatet ist. Auch hier zeigen wir dem Klimawandel und Artenschwund die Zähne! (dos)

Fortsetzung folgt

Dies ist Teil 1 des Interviews mit Bürgermeister Dieter Krattenmacher. Lesen Sie Teil 2 im ,,Kißlegger" in der Ausgabe vom 26.10., auf den Seiten 16/17 in der Printausgabe oder online unter www.schwaebische.de/der-kisslegger